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2 x 2samkeit in der Nordkurve – NN

23. August 2017

17269047_766167796868899_1790479408_oIntensität trifft auf Nüchternheit: In der Nordkurve ist derzeit eine Ausstellung mit Werken von Marion Hammer und Steffen Kirschner zu sehen. Zwei Menschen stellen aus: Marion Hammer und Steffen Kirschner stehen in der Nordkurve – hohe Decke, eine langgezogene Bar, hinter der eine Wendeltreppe in einen Zwischenboden führt, der als Lagerfläche dient.

„Ursprünglich sollte die Nordkurve als Architekturbüro dienen, aber es ist dann doch ziemlich laut hier“, sagt Stefanie Nentwich mit Blick auf die Kreuzung und die vielen Autos – direkt an der Rothenburger Straße Ecke Obere Kanalstraße in Gostenhof ist der Kulturverein gelegen, schräg gegenüber eines großen Discounters. Die 33-jährige Kulturschaffende ist Teil des Kurationsteams der Nordkurve.


„Als Marion uns ihre Arbeiten gezeigt hat, mussten wir an Steffen denken und haben die beiden zusammengebracht“, erzählt Nentwich. Zu dem Titel „Zwei“ kam es dann aber doch wegen der Kunst: Die Fotografin Marion Hammer geht gerne auf Reisen und fotografiert oft Paariges: Menschen, Tiere, Objekte, Landschaften. „Im Grunde geht es um die Liebe bei meinen Aufnahmen“, sagt Hammer – ihre Fotografien durchzieht das Leitmotiv, wie die beiden Holzhäuser, die auf einem kleinen, mit etwas Gras bewachsenem, Hügel irgendwo in den Südstaaten Amerikas stehen, allein verbunden durch ein Stromkabel. So zugewandt und intim wirken sie, dass man fast den Eindruck gewinnt, sie zu stören.

Hammers intensive Aufnahmen hängt biologische Nüchternheit gegenüber: Der Mediendesigner und Fotograf Steffen Kirschner stellt großformatige Schwarz-Weiß-Portraits von Direkt-Verwandten aus, „Genotype“ – auf der linken Bildseite eine Gesichtshälfte: kurze grauweiße Haare, ein Perlenohrring und ein weißer Kragen, auf der rechten: lange dunkle Haare, ein schwarzes T-Shirt, ein Mutter-Tochter-Paar. Über 100 weitere Bilder hat er schon in seiner Serie.

„Das Ganze ist eher zufällig vor drei Jahren entstanden, ich habe ein Foto von meinem Vater und mir per Photoshop erstellt und gesehen, dass wir uns doch sehr ähnlich sehen.“ Für die Ausstellung hat er einen Katalog zusammengestellt mit seinen Genotypen, die sich wunderbar studieren lassen: Gesichtslinien werden abgeglichen, schiefe Münder betrachtet und über allem schwebt dieser Blick in die eigene Zukunft des Älterwerdens. So schlicht der Name der Ausstellung, so vielseitig ist sie: Marion Hammer und Steffen Kirschner entwerfen ganz eigene Fotowelten, die ihre Betrachter mal Teil haben lassen an einer Zweisamkeit, ihnen dann wieder keine Chance geben sie zu durchbrechen oder zeigen: So sehr man auf die eigene Individualität pocht, am Ende bestehen wir aus mehr als nur aus uns selbst.

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