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16. Januar 2014

Deutscher Rießling auf brasilianischem Boden.

Holger (55) ist Landwirt auf beiden Welthalbkugeln. Viele Jahre überwinterte er bei befreundeten brasilianischen Kollegen.  Vor 5 Jahren entschloss er sich in Nova -Petropolis ein Weingut zu kaufen. In Baden-Württemberg hat er eine große Erdbeerplantage. Dort wird er von April bis September gebraucht. Als Winzer wird er in Brasilien zur genau der anderen Jahreshälfte benötigt. „Als meine Frau und ich geeigneten Grund gefunden hatten, investierten wir in großem Stil. Das sonnenarme Deutschland hat halb so viele Einwohner, produziert in Vergleich zu Brasilien jedoch das Vielfache an Wein. Die Mittelschicht in Brasilien wächst kontinuierlich. Es liegt auf der Hand, dass in den nächsten Jahren die Nachfrage an gutem Wein ebenfalls steigen wird.“

Der brasilianische Weinanbau ist in der Hand italienischer Einwanderer, die gewöhnungsbedürftige Rebsorten verwenden.  Holger produziert als einziger Winzer Brasiliens Deutschen Riessling. Das Klima in Rio Grande do Sul ist für die Rebsorte ideal. „Wir haben hier vergleichbares Klima wie in Freiburg. Ich lebe die Hälfte des Jahres bei meinen deutschen Erdbeeren, die andere Hälfte bei meinem Deutschen Riesling.“, sagt Holger lächelnd.   Holger ist sich bewusst, dass ein Weingut nur als Mehrgenerationenprojekt funktionieren kann. Wenn eines seiner Kinder das Weingut nicht bald übernimmt, wird er wieder verkaufen. Seine Kinder zögern, denn Auswandern ist kein Kinderspiel.

Die Ernte aus diesem Jahr ist schon vorab an den größten Weinhersteller Brasiliens verkauft. „Auch wenn die Investitionen der letzten Jahre sich schon heute rentieren, in Brasilien steht man immer wieder vor neuen Problemen. Planungssicherheit wie in Deutschland gibt es kaum. In unserer Gegend  ist kaum mehr jemand bereit auf dem Feld zu arbeiten. Seitdem die Regierung  den Sozialhilfesatz erhöht hat,  will keiner mehr seine Hand schmutzig machen. Die medizinische Versorgung ist kostenlos. Die Leute streichen die Stütze ein, und legen Kleingärten an.  Das kann nicht mehr lange gut gehen.“

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