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112 Tage bis nach der WM – Bananenflanke

24. März 2014

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Das brasilianische Gesundheitssystem im Selbstversuch

Man hört in der letzten Zeit so einiges über das brasilianische Gesundheitssystem. Die Deutschen pflegen eine Hassliebe zur Deutschen Bahn, die Brasilianer zu ihren Krankenhäusern.  Da unser Kind schon einige Tage fieberte, konnten wir uns ein eigenes Bild machen. Wir entschieden uns ganz bewusst gegen eine Privatklinik. Ein kurzer Abriss der Behandlung:


In der Hotelrezeption fragen wir nach einem staatlichen Krankenhaus. Wir erfahren prompt, dass nicht weit weg vom Hotel eine Kinderklinik ist. Um 11 Uhr stehen wir vor dem Eingang der Klinik. Wir werden freundlich zur Ambulanz geführt. An einem Schalter muss ich mein Kind und mich ausweisen. Ich werde darüber informiert, dass die Behandlung kostenlos ist (auch für Touristen). Selbst ein vielleicht notwendiger stationärer Aufenthalt würde nicht verrechnet werden. Man bittet mich im Wartezimmer Platz zu nehmen. Auf Nachfrage wird mir eine Wartezeit von circa 60 Minuten genannt. Es wurden letztendlich 75 Minuten, aber bei der Deutschen Bahn sind Verspätungen von 15 Minuten auch keine Seltenheit.

Nach 5 Minuten werden wir von einer Krankenschwester aufgerufen. Sie beginnt mit der Anamnese. Wir erklären ihr die Vorgeschichte. Sie tippt den Grund unseres Besuchs in einem Computer ein. Zuvor wurde von uns ein Datensatz angelegt. Sie wiegt das Kind. Da unser Kind fiebert, will sie ein senkendes Mittel eingeben. Wir bitten sie darum, dies nicht zu tun. Sie klärt uns auf, dass Kleinkinder bei Fieber Krämpfe bekommen können. Wir wollen es trotzdem nicht. Sie akzeptiert die Entscheidung der Eltern.

Das Wartezimmer ist sauber und vollklimatisiert. Ein Wasserspender steht bereit. Viele Eltern warten mit Kleinkindern und Säuglingen. Ein Fernseher läuft, um die Wartezeit so angenehm wie möglich zu machen. Ich beginne mit meiner Nachbarin ein Gespräch. Als wir auf das Thema Krankenhaus kommen, reagiert sie wie Deutsche auf die Deutsche Bahn oder dem Berliner Flughafen: Sie schimpft über die Ärzte im Allgemeinen. Nach 25 Minuten schalte ich ab, da der Redefluss nicht aufhört.

Nach 10 Minuten wird die Hälfte der Wartenden gleichzeitig aufgerufen. Nach weiteren 45 Minuten sind wir mit weiteren Eltern an der Reihe.  Wir werden in Behandlungszimmern geführt, wo jeweils zwei Ärzte auf die kleinen Patienten warten. Während die eine unser Kind untersucht, protokolliert die zweite den Behandlungsverlauf in unserem Datensatz. Fr. Dr. Adriane Becker stellt die Diagnose. Sie empfiehlt uns die Einnahme eines Antibiotikums. Wir erklären der Ärztin, dass wir uns damit schwer tun. Sie klärt uns über die Risiken auf, die ohne eine Behandlung mit Antibiotika gegeben sind. Sie erklärt, dass mit Antibiotika in Brasilien anders umgegangen wird als in Europa. So empfiehlt sie, uns mit unserem Hausarzt in Verbindung zu setzen.

Fazit: Wir erhielten eine schnelle und fachlich gute Beratung. Die Ärztinnen hatten interkulturelles Wissen, und sind auf uns adäquat eingegangen. Beide Ärztinnen nahmen sich die notwendige Zeit.
Empfehlenswert: Wir wurden von zwei Ärztinnen betreut. Während die eine sich auf die Untersuchung konzentrierte, führte die andere das Gespräch und konnte sich auf uns Eltern konzentrieren.

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