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Vermitteln statt Kritteln – SZ

10. Oktober 2018

DeborahSZ: Kommt es auch zu witzigen Momenten in Ihrer Arbeit als Sonderpädagogin?

Deborah Müller: Manchmal übe ich mit den Kindern Wörter wie Kaulquappe zu sprechen, das kann schon lustig werden.

Warum haben Sie dieses Fach studiert?

Eigentlich wollte ich nie Lehrerin werden. Aber mit der Zeit wirdmanälter und reifer, und irgendwann bin ich dann auf Sonderpädagogik gestoßen. Das Tolle daran ist: Man muss den Stoff nicht einfach nur durchpauken. Man kann so besser Bezug zu den Kindern aufbauen und versuchen, ihnen kleinschrittig zu helfen.

Sind Ihre Schüler auch an anderen Kulturen interessiert?

Auf jeden Fall: Im Unterricht gehen wir auch immer auf die verschiedenen Kulturen ein. Wir schauen, wer aus welchem Land kommt, und sagen dann „Guten Morgen“ in den verschiedenen Sprachen. Zum Beispiel auf Rumänisch, Arabisch, Italienisch, Kroatisch oder auf Hindi, so lernen wir gegenseitig voneinander. Oder als wir mal die Feste und Feiertage in Deutschland durchgenommen haben, waren die Kinder natürlich auch an dem, was hier passiert, sehr interessiert. Manchmal haben wir auch die Gelegenheit zu fragen: „Wie läuft es denn bei dir Zuhause ab?“

Sie haben in Ihrem Beruf auch täglich mit Kindern zu tun, die nicht so gut deutsch sprechen. Haben Sie das Gefühl, diese Kinder sind an der deutschen Sprache stark interessiert?

Sie möchten die Sprache auf jeden Fall lernen – denn für die meisten ist es wichtig, sich gut verständigen zu können. Viele Kinder fühlen sich nicht wohl, wenn sie merken, dass sie Schwächen haben.

Lernen Sie auch manchmal etwas von den Kindern?

Absolut. Sie erzählen mir von Bräuchen oder von Redewendungen, wie es bei ihnen heißt. Oder zum Thema Essen: Wir haben auch schon einmal einen Tag der internationalen Küche veranstaltet. Einige Eltern haben etwas aus ihrem eigenen Land mitgebracht, und alle durften etwas probieren. So lernt man auch als Lehrerin nie aus.

Und von welchen Bräuchen erzählen die Kinder?

In Griechenland zum Beispiel gehen die Kinder an Weihnachten ganz in Weiß gekleidet durch die Gegend und kriegen von allen Süßigkeiten zugesteckt. Oder auch das Fastenbrechen bei den Muslimen, da bekommen die Kinder sogar schulfrei, weil das eine ganz besondere Bedeutung für die Familie hat.

Warum ist es denn wichtig, dass Integration schon in der Kindheit anfängt?

Da bin ich eher der Inklusions-Typ: von Beginn an miteinander, so dass erst gar keine Integration notwendig ist.

In welchen Situationen merken Sie, dass kulturelle Unterschiede auch Probleme mit sich bringen?

Ehrlich gesagt habe ich das selbst noch nicht erlebt, sondern bloß geschildert bekommen. Das sind so Situationen, wenn Schülerinnen zum Beispiel am Schwimmunterricht teilnehmen müssen – zur Not im Ganzkörper-Burkini – und die Eltern immer noch sagen: „Nein, das ist unschicklich, das lasse ich nicht zu“. Oder wenn die Kultur oder Religion vorschreibt, dass der Mann der Frau nicht die Hand zur Begrüßung geben darf. Dann kann das schon manchmal ein bisschen schwierig werden, weil dort zwei verschiedene Meinungen aufeinander treffen.

Was können Sie als Lehrerin in solchen Situationen machen?

Ich sehe meine Aufgabe in erster Linie darin, Perspektiven zu eröffnen, sowohl Verständnis für die eine als auch für die andere Seite zu haben und im Idealfall zu versuchen, ein bisschen zu vermitteln.

Was möchten Sie mit Ihrem Beruf erreichen?

Mein persönliches Ziel ist es, jedem Kind gerecht zu werden, was jedoch sehr schwierig sein kann. Ich habe meinen Job gut gemacht, wenn Kinder einen guten Weg einschlagen und besser in den Berufsalltag finden.
interview: hannah jaenicke und emily strauß

foto: hannah jaenicke

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