Sei ein Mensch – 15 Quadratzentimeter Menschlichkeit

sei ein menschEin Begegnungsprojekt gegen Antisemitismus lädt von Gostenhof aus  zum Mitmachen ein. Verschenken Sie einen Bruchteil ihrer Briefkastenfläche. Interessierte aus dem Stadtteil und darüber hinaus sind eingeladen, ein angefertigtes Namensschild am eigenen Briefkasten anzubringen. Beschriftet ist es mit dem Namen eines emigrierten oder deportierten jüdischen Bürger. Quelle der Namen ist das Gedenkbuch für die Nürnberger Opfer der Shoah.

Interessierte können ein Namensschild kostenlos erwerben. Das Projekt lädt ein, miteinander ins Gespräch zu kommen.

E-Mailkontakt: info@nordkurve.info
Schirmherrin ist Stadträtin Diana Liberova.

Sei ein Mensch – dies ist ein bekanntes Zitat des Rabiner Samuel Raphael Hirsch. Sei ein Mensch – und bleib stetig menschlich – damit das was in unserem Stadtteil geschah sich nicht wiederholt.

Familie Jesuran verkaufte kurz vor der Machtergreifung Hitlers ihr Wohnhaus in Gostenhof drastisch unter Wert. Die 5-köpfige jüdische Familie zog aus und floh aus Deutschland. In Brüssel/Belgien warteten die nun Staatenlosen auf ihre Ausreise nach Argentinien. Doch die Deutsche Wehrmacht besetzte Belgien, und sie mussten sich vor einer Deportation
verstecken. Der älteste Sohn wurde in dieser Zeit nach Auschwitz deportiert, wo er verstarb/ermordet wurde. Im Juli 2017 besuchten die jüdischen Nachkommen spontan und ohne Voranmeldung das Haus und wurden herzlichst empfangen. Die Nachfahren von damals leben heute in Toulouse und in Brüssel. Gemeinsam mit Bürger*innen des Stadtteils wird die Geschichte des Hauses dokumentiert.

Unser Verein erarbeitet eine Alternative zu gängigen Erinnerungstafeln, um zeitgemäß an die Opferfamilie zu erinnern. Familie Jesuran will keine klassische Erinnerungstafel, und sogenannte “Stolpersteine” lehnen sie ab. Jugendliche und Erwachsene haben sich daher gemeinsam auf dem Weg gemacht, um nach einer ansprechenden und zeitgemäßen Form der Erinnerung zu suchen. An der Fassade des Wohnhauses soll ein Kunstwerk „erinnern“. Neben dieser „Erinnerung an der Fassade“ wird die Nachbarschaft mit der Briefkastenaktion eingebunden.

Mitwirkende sind Schüler*innen des Dürer-Gymnasium und das Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg. Gefördert wird das Projekt von „Demokratie leben“. Unsere Projektpatin ist Martina Mittenhuber.

Wichtig ist uns ein generationsübergreifender Diskurs, in dem alle Generationen nach der Shoah beteiligt werden. Wichtig ist uns, dass der Diskurs Menschen erreicht, die sich mit dem Thema nur am Rande beschäftigt haben, beispielsweise nur aus dem Schulunterricht. Uns ist es wichtig Menschen im Stadtteil für das Thema Antisemitismus zu sensibilisieren. Gostenhof war vor der Machtergreifung Hitlers ein “Klein-Jerusalem”, aber im Alltagsbezug des Stadtteils kaum noch sichtbar. Und die politische Stimmung in Deutschland beginnt wieder einmal zu kippen.

Mehr Infos:
Nordkurve e.V. Jean-Francois Drozak
E-Mail: info@nordkurve.info

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