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Lokales Wissen anstatt Wikipedia – NZ

1. August 2018

18010588_1321937337841408_2339004275754466946_nAusgezeichnet: Die Kiezredaktion, ein Projekt des Nürnberger Theaterpädagoge Jean Drozak in Zusammenarbeit mit der NZ, gehört zu den Preisträgern im Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Tolerans“ Die Jury lobte die Kiezredaktion  „für ihr vorbildliches und nachahmenswertes zivilgesellschaftliches Engagement“. Die NZ sprach mit dem „Vater“ des Projekts.

NZ: Jean, kannst du für unsere Leser, die noch nicht da waren, kurz erklären, was es mit der Kiez-Redaktion auf sich hat?

Jean Drozak: Wir machen Veranstaltungen für Jugendliche, junge Erwachsene und weitere Interessierte, die sich schwer damit tun, an die Presse zu schreiben, oder in einer Redaktion anzurufen. Dabei haben sie vielleicht eine Geschichte zu erzählen, die für die Allgemeinheit von Interesse ist. In der Kiezredaktion  sind NZ- Redakteure, meist aus der Lokalredaktion, anwesend. Sie hören sich im entspannten Gespräch die Geschichten dieser Menschen an und prüfen, ob sie etwas für die Zeitung wären. Was ja manchmal auch schon der Fall war.

NZ: Du bist selbst ein treuer NZ- Leser. Was hat dich dazu bewogen, die Kiezredaktion ins Leben zu rufen?

Drozak: Wir wollen damit eine Barrierefreiheit schaffen. Die Menschen können erzählen und die Zeitung hat die Möglichkeit, Meinung, Ideen oder Eindrücke von Bevölkerungsschichten zu bekommen, zu denen sie sonst vielleicht keinen so direkten Zugang hat.

NZ: Deiner Ansicht nach sind gedruckte Zeitungen für eine Großstadt unerlässlich.

Drozak: Ja. Ich stamme aus Sao Paulo, einer 20- Millionen- Stadt, in der es genaugenommen nur eine Zeitung gibt. Sie hat eine Monopolstellung. Wir dürfen auf keinen Fall zulassen das es in Nürnberg nur eine relevante Zeitung gibt. Mit relevant meine ich eine, die anspruchsvoll ist. Ich kann mir nicht vorstellen, in einer Stadt zu leben, in der es nur eine einzige  Zeitung gibt. Sonst hätte ich das Gefühl, in einem Dorf zu leben. Oder wieder in Sao Paulo.

NZ: Du hältst die gedruckte Zeitung für unverzichtbar, obwohl es mittlerweile sehr viele Online-Medien gibt.

Drozak: Erstens: Wir müssen auf eine vielfältige Berichterstattung achten. Zweitens glaube ich, dass es sehr wichtig ist, Folgendes zu reflektieren: was bekomme ich im Internet und was bietet mir eine Printausgabe. Wenn ich eine Printausgabe habe, selektiere ich nicht. Wenn ich aber im Internet nach Nachrichten suche, springt die Suchmaschine in meinem Kopf sofort an. Ich suche nur das, was ich lesen will. Wenn ich eine gedruckte Zeitung habe, bekomme ich von einer Redaktion eine Palette von gesellschaftlich relevanten Themen präsentiert, mit denen ich mich auseinandersetzen sollte. Ansonsten habe ich das Gefühl, nicht mehr in einer Demokratie zu leben. Denn es gehört zu einer Demokratie, über seinen Tellerrand zu schauen. Ich muss mich auch Themen auseinandersetzen , die nicht unbedingt zu meiner Lebenswelt gehören. Das ist auch das, was die Kiezredaktion vermittelt.

NZ: Die NZ-Kiezredaktion hat also auch einen gewissen Lehrauftrag?

Drozak: Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen kommen auch, weil an dem Abend ein Konzert in der Nordkurve stattfindet und weil sie ihre Storys loswerden können. Aber sie bekommen auch mit, wie viel Wissen, vor allem lokales Wissen, in so einer Redaktion steckt. Was mich sehr beeindruckt hat: Nahezu alle Fragen, die die Gäste stellen, konnte das Team der NZ beantworten. Das ist eine Erfahrung, die die Leute ebenfalls aus der Kiezredaktion mitnehmen.Wikipedia schön und gut, aber dieses dieses lokale Wissen in der Redaktion der NZ ist es, was eine Zeitung ausmacht.

NZ: Was bedeutet der Preis für dich, den du am Montag in Berlin überreicht bekommst?

Drozak: Für mich bedeutet er in erster Linie, dass Menschen außerhalb unserer Kommune unser Modellprojekt, das die NZ in den vergangenen zwei Jahren wesentlich mit geprägt hat, wahrnehmen.  Sie erkennen dadurch, dass es von bundesweiter Relevanz ist.

Fragen: Gabi Eisenack

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