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Kein Designer kann das Rad neu erfinden – NZ

25. März 2018

susanne hochherzSusanne Hochherz hat  das gewagt, was sich nur wenige trauen: Die 42-Jährige hat ihren festen Arbeitsplatz beim fränkischen Sportartikelhersteller Puma aufgegeben und ihre eigene Modemarke gegründet. Bei „Trikotesse“ entwirft sie eine Sportkollektion, die elegant und gemütlich zugleich ist. Die NZ sprach mit der Nürnberger Modedesignerin über Originale in der Modebranche.

NZ: Frau Hochherz, wie erkennt der Kunde den Unterschied zwischen Original und Fälschung?

Susanne Hochherz: Man kann es meistens ganz gut erkennen. Es gibt zwar professionelle Fälscher, die gefälschte Markenartikel in Umlauf bringen, aber in den meisten Industrieländern gibt es Schutzmechanismen, die großen Schaden verhindern können.

NZ: Merkt man das an der Qualität der Stoffe oder daran, wie ordentlich etwas genäht ist?


Hochherz: Man kann es auf jeden Fall erkennen, wenn man genau hinschaut. Die Stoffe sind oft von schlechterer Qualität und die Logos mit witzigen Schreibfehlern versehen: etwa Trikotus statt Trikotesse.

NZ: Merkt man das auch an günstigeren Preisen?

Hochherz: Nicht unbedingt. Es gibt Betrüger, die gefälschte Ware günstiger verkaufen, aber eben auch dreiste Fälscher, die sie für höhere Preise verkaufen.

NZ: Gibt es keine Möglichkeit, die Ware zu schützen?

Hochherz: Doch, indem die Ware kontrolliert wird, bevor oder wenn sie auf dem Markt ist. Wenn sich herausstellt, dass eine Fälschung vorliegt, haken die Kontrolleure nach. Die Unternehmen behalten aber für sich, wie sie ihre Ware genau markieren.

NZ: Haben Sie Angst, dass auch Ihre Ideen geklaut werden?

Hochherz: Damit muss ich leben. Kein Designer kann das Rad neu erfinden. Wenn ich etwas Neues entwerfe, muss ich davon ausgehen, dass es das schon einmal in irgendeiner Form gegeben hat oder gibt, und dass sich gleichzeitig jemand anderes von meinen Ideen inspirieren lässt. Einige Designer und Firmen wollen neue Ideen vermarkten und andere leben davon, dass sie Kopien günstiger als das Original anfertigen und verkaufen. In einem gewissen Rahmen ist das sogar von Firmen, Designern aber auch Kunden gewollt. Ein Beispiel dafür sind Modeketten wie H&M und Zara.

NZ: Und wie schützen Sie Ihre eigene Marke?

Hochherz: Meine Marke ist natürlich rechtlich geschützt, es darf sich niemand „Trikotesse“ nennen. Aber ob jetzt jemand meine Methode mit handgemachten Drucken abschaut, kann ich nicht verhindern. Für ich ist es wichtig, dass Menschen meinen Stil wieder erkennen – auch ohne mein Logo. So schaffe ich mein eigenes Original. Daran  arbeite ich zurzeit.

NZ: Wie schaffen Sie es, Ihre Marke bei den Menschen beliebt zu machen?
Hochherz: Ich nutze die sozialen Netzwerke wie Facebook und Instagram, um meine Marke bekannt zu machen. Und ich arbeite gerade am Aufbau meines eigenen Online-Shops, gleichzeitig suche ich auch nach Läden, in denen ich meine Ware zusätzlich verkaufen kann. Beides ist relativ aufwändig.

NZ: Wie sehr lassen Sie sich von Dingen beeinflussen, die schon existieren, etwa aus den 70er, 80er oder 90er Jahren?
Hochherz: Das ist für mich eine sehr große Inspiration. Ich liebe gerade die 70er, 80er und 90er Jahre. In dieser Zeit gab es tolle Stilrichtungen, von denen ich mich gerne inspirieren lasse, wie viele andere Designer auch. Die meisten beschäftigen sich mit aktuellen Trends. Mich interessiert aber nicht so sehr, was gerade in der Mode „in“ oder „out“ ist, sondern meine Kollektion beruht auf Langlebigkeit. Mein Label steht für Nachhaltigkeit.

NZ: Was wollen Sie bei den Menschen mit Ihren Designs erreichen?

Hochherz: Es ist mir wichtig, fair herzustellen und möglichst nur Biostoffe zu benutzen, ohne dass das Design darunter leidet. Ich freue mich, wenn ich Menschen in meinen Klamotten sehe, sie ihnen stehen und sie sie mit Vergnügen tragen. Das ist das Schöne an meinem Beruf.

Fragen: Karina Balzer und Diana Militskaya

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