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In der Welt daheim – SZ

14. Oktober 2018


VeranenPoing
– Eines ihrer schönsten Erlebnisse auf Reisen hatte Carolina Veranen-Phillips in Ägypten: Dort traf sie auf der Straße einen Mann in weißem Gewand, der sie an den libanesisch-amerikanischen Poeten Khalil Gibran erinnerte. Der Mann im weißen Gewand lud sie in ein Café ein, mit ihm Tee zu trinken. Als sie bezahlen wollte, bestand er darauf, sie einzuladen. Die beiden konnten sich nicht viel unterhalten, da er kaum Englisch sprach; trotzdem verstanden sie sich auf einer anderen Ebene. Für Veranen-Phillips ist dieses Erlebnis der Inbegriff des friedlichen Zusammentreffens verschiedener Kulturen.

Carolina Veranen-Phillips ist Autorin und Mutter. Sie kommt aus einer Multikulti-Familie: Ihr Vater wohnte in Portugal, der Rest ihrer Familie in Finnland. Da sie selbst in Frankreich lebte, musste sie also sehr viel reisen, wenn sie ihre Familie besuchen wollte. Als sie mit Mitte 20 von der Gesellschaft das Gefühl vermittelt bekam, ein solides Leben führen zu müssen, verweigerte sie sich, erfüllte ihren Lebenstraum und reiste um die Welt. Veranen-Phillips besuchte insgesamt 50 Länder, in fünf von ihnen lebte sie. Im Moment wohnt sie zusammen mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Poing im Landkreis Ebersberg.

Über ihren Beruf sagt sie: „Ich bin Mama und Autorin.“ In einem ihrer beiden Bücher berichtet sie über ihre Weltreise und die Abenteuer, die sie dort erlebte. Veranen-Phillips ist eine zierliche Frau mit braun-blonden Haaren. Sie lächelt gern und spricht mit französischem Akzent; wenn sie erzählt, wirkt sie sehr offen.

Eine ihrer Reisen führte Veranen-Phillips nach Äthiopien. Dort traf sie auf zwei Franzosen, die ihr eine beeindruckende Geschichte erzählten: Die beiden wollten einige Wochen zuvor in der Wüste im Sudan ihr Lager aufschlagen, als ein fremder Sudanese kam und sie mit Gesten in sein Haus einlud. Sie folgten ihm und setzten sich. Obwohl der Mann und seine Familie sehr arm waren, schlachtete er ihr einziges Schaf – nur damit die Gäste etwas zu essen hatten. Sie aßen alle zusammen, und der Vater lud den beiden Reisenden immer mehr Essen auf. Als alle fertiggegessen hatten, verabschiedeten sich die Franzosen.

Als Veranen-Phillips diese Geschichte erzählt, schließt sie mit den Worten: „Ich war erstaunt über diese besondere Gastfreundschaft der Sudanesen.“ Da sie ihr kulturelles Wissen weitergeben will, um das Zusammenleben zwischen verschiedenen Ländern zu verbessern, arbeitet sie seit zwei Jahren in Poing mit Flüchtlingen. Sie berät und hilft, die deutsche Kultur aus einem anderen Blickwinkel kennen zu lernen. Auch darüber hat Veranen-Phillips ein Buch geschrieben: „Haltestelle Poing.

Die Asylbewerber und ich – eine Leidenschaft“. Darin beschreibt sie die Zusammenarbeit zwischen Asylbewerbern und ihren Helfern in Poing. Eine der Geschichten erzählt von einem Jungen, der mit 15 Jahren aus dem Senegal nach Deutschland geflohen ist. Seine Flucht dauerte drei Jahre. Erst nach Erscheinen des Buches erfuhr Veranen-Phillips jedoch die ganze Wahrheit: Das Schiff, mit dem der Junge gereist war, sank auf hoher See. Von den 200 Flüchtlingen überlebten nur zwei; einer davon war der 15-jährige Senegalese. Er konnte nicht schwimmen und schaffte das nur, weil er sich an einer Holzplanke festgeklammerte. Als der junge Mann seine Geschichte erzählte, fasste er als so zusammen: „Inschallah – das war Schicksal.“ Carolina Phillips ist noch nicht fertig mit dem Reisen: Im Herbst zieht sie mit ihrer Familie für ein Jahr nach Japan.

von angelo haas und manuel seffer

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