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Eine Chance durch den Verzicht – NZ

20. März 2019

schwesterSeit 1999 lebt Alice Sommer als Ordensschwester in der Communität Christusbruderschaft Selbitz. Die 41-Jährige erzählt, was Aufrichtigkeit für sie bedeutet und was Verzicht mit Erfüllung zu tun hat.

Wir alle brauchen Wege, um aufrichtig zu werden. Mir helfen dabei drei evangelische Lebenshaltungen: Der Gehorsam, die Armut und die Keuschheit. Diese habe ich im Fokus und hangele mich an ihnen entlang auf dem Weg zu mehr Aufrichtigkeit, auch wenn es mir manchmal schwer fällt.

Die drei Lebenshaltungen bedeuten Verzicht. Aber sie helfen mir auch, mich von Unwichtigem zu lösen. Es ist ein bisschen wie beim Fasten. Ich habe dadurch die Chance, eine neue Schönheit zu entdecken. Ich komme so auch auf die Sachen, auf die ich nicht von vorne herein gekommen wäre. Aufrichtigkeit ist für mich eine Herzenssache. Ich glaube, ich kann nur dann wirklich aufrichtig sein, wenn ich einen guten Bezug zu meinem eigenen Herz habe und nicht über mich hinweg lebe. Zu uns in den Orden kommen Menschen, die sich zu einer Freizeit anmelden oder ein Soziales Jahr oder Bundesfreiwilligendienst absolvieren möchten.

Oft haben sie auch eine Sehnsucht, herunterzufahren, aus dem Getriebe des Alltags heraus zu kommen. Sowollen sie mal wieder die leisen Stimmen in sich selbst hören, die durch den Alltag verdeckt sind. Bei diesen Menschen kommen viele Fragen nach Gott, nach Lebenswerten. Wenn man sich dann im stilleren Rahmen mit sich selbst beschäftigen kann, dann kommen auch sehr viele Dinge hoch, die nicht so einfach sind und die auch mal zur Sprache kommen wollen.

Und da gibt es bei uns viele Schwestern, die auch Gesprächsangebote machen. Aber man muss auch nicht alles anderen erzählen. Ich glaube, jeder Mensch hat auch ein Recht auf ein kleines Geheimnis und es muss nicht alles mitgeteilt werden. Manchmal ist weniger mehr. Dieser Grundsatz hilft mir auch im Umgang mit meinen Begehrlichkeiten. Ich bemerke zum Beispiel, dass ich oft möglichst viele Informationen für mich haben möchte.
Es gibt Artikel, die man lesen könnte, im Internet gibt es auch einen Haufen zu finden. Da versuche ich zu sagen: Nein, ich beschränke mich auch mal ein Stück weit auf das, was für mich wichtig ist. Aber dazu gehört es, zuerst überhaupt mal wahrzunehmen, dass ich mich so verhaltenmöchte.

Meine größte Begehrlichkeit im Leben ist, nach Glück zu suchen und erfüllt zu sein. Ich habe eine Adresse gefunden, wo ich das ein Stück immer wieder erhalte und das ist für mich Gott.

Beim Glauben an Gott ist nichts verboten. Ich muss nicht lieb, nett und freundlich sein und nichts in mir wegdrücken. Denn ich weiß: Auch damit kann ich zu Gott kommen. Ganz ehrlich und unverstellt, so wie ich bin.
Protokoll: Melek Kunduraci

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