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Diebstahl wird immer salonfähiger – NZ

10. April 2019

büllbüllMenschen aufzuspüren, die nicht ehrlich sind, ist der Alltag für Tarkan Bülbül, der eine gleichnamige Detektei betreibt. Doch auch der 43-Jährige muss sich mit moralischen Konflikten in seinem Beruf auseinander setzen.

In meinem Beruf geht es meist um Aufklärung von Eigentumsdelikten. In den letzten Jahren haben die Diebstahlfälle, sei es im privaten Kreis, in der Industrie oder im Einzelhandel zugenommen. Einer der Gründe ist, dass in Firmen durch Mitarbeiter und im Einzelhandel durch Kunden, insbesondere durch organisierte Banden, viel mehr gestohlen wird als früher. Allein 2017 waren es 350 Millionen Euro – ein Rekord –, die Unternehmen in Bayern dadurch verloren haben.


Ich denke, es hat viel mit Erziehung zu tun. Stehlen wird immer salonfähiger. Ich erlebe immer wieder Eltern, die vermitteln: Es ist nicht mehr peinlich zu stehlen, sondern nur noch, dabei erwischt zu werden. Das ist die falsche Entwicklung.

Auch im Beruf eines Detektivs geht es um Aufrichtigkeit. Es gibt schon in unserer Branche Kollegen, die sich manchmal gewisser Mittel bedienen, die in der so genannten Grauzone oder nicht so ganz koscher sind. Beispiele dafür sind etwa Wanzen anbringen und Leute belauschen. Solche Dinge sind aber strafrechtlich verboten.

Wir Detektive haben keine besonderen Rechte. Denn wir sind keineBeamte mit hoheitlichen Aufgaben wie etwa Polizisten. Vom Recht her sind wir wie jedermann. Unsere Aufgabe ist es, zu recherchieren, zu ermitteln und zu beobachten, und zwar dort, wo man beobachten darf, also nicht in Privaträumen.

Manche Detektive machen es dennoch, weil es ihnen wichtiger ist, dem Kunden ein Ergebnis zu präsentieren als korrekt zu arbeiten. Doch natürlich ist der Druck, als Detektiv erfolgreich zu sein, sehr hoch.

Die Kunden kommen zu uns, wenn sie Probleme haben. Und jeder Mensch will, dass die Probleme möglichst in seinem Sinne gelöst werden. So will zum Beispiel jemand, der von seinem Partner betrogen wird, unbedingt den Beweis dafür in der Hand halten. Also wollen die Kunden, dass wir erfolgreich Ergebnisse abliefern. Sie verstehen meistens nicht, dass das eben nicht unsere Aufgabe ist. Unsere Aufgabe ist es, herauszufinden, ob das wirklich so ist wie sie vermutet haben. Manchmal kommen wir auch mit leeren Händen zurück, das akzeptiert dann der Kunde meistens nicht.

Manchmal ist es auch ehrlicher, einen Auftrag abzulehnen, weil die Erfolgschancen sehr niedrig sind. Dann sage ich dem Kunden, dass ich mit meinen begrenzten Mitteln den Fall nicht lösen kann. Ich hatte jüngst eine Anfrage von einem Arbeitgeber, der vermutet hat, dass in seinem Betrieb mit Drogen gehandelt wird.

Das war ein klassischer Fall, bei dem ich empfohlen habe, sich gleich an die Polizei zu wenden. Hier geht es um die Frage: Wollen wir unbedingt das Geld verdienen, obwohl wir wissen, dass am Ende nichts dabei rauskommen kann, oder wollen wir dem Kunden
gegenüber auch aufrichtig sein?

Es gibt aber noch eine andere Art von moralischen Konflikten in unserem Job. Ich habe
einmal meine Nachbarin beim Diebstahl beobachtet. Aber wir müssen professionell handeln, weil wir dem Gesetz und unserem Auftraggeber gegenüber verpflichtet
sind. Das Hadern mit sich kommt erst später. Man geht nach Hause und ist fix und fertig. Meine Nachbarin beim Diebstahl zu erwischen, war dann schon ein schwieriger
Moment für mich.
Protokoll: Ines Glockner,
Hanin Herrmann, Hüseyin Acar

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